Tiergestützte Intervention im Christophorus-Werk - Tiere bilden Brücken zwischen Therapeuten und Klienten
Veröffentlicht am: 30.01.2026
Team aus Mensch und Tier arbeitet zusammen, wobei die Fachkraft die Verantwortung für den Therapieprozess trägt. Ob die Tiere beobachtet, berührt oder eingebunden werden, ihre Wirkung bleibt bedeutend. Wie diese Zusammenarbeit aussieht und welche positiven Effekte sie hat, zeigt ein Blick in vier Bereiche des Christophorus-Werks.
Im Christophorus-Werk wird TGI erfolgreich umgesetzt: Christine Krämer, Logopädin in der Kita Regenbogen, nutzt ihren Hund Alma als Motivator in der Sprachförderung. Gaby Beckmann, Erzieherin im Internat des Berufsbildungswerks (BBW), bietet Gespräche gemeinsam mit ihrem Pädagogikbegleithund Carlo an. Anita Mell, Sozialpädagogin in der Mosaik-Schule, bringt Therapiebegleithund (TBH) Bruno in den Schulalltag ein. Reittherapeut Micheal Menger fördert Kinder und Jugendliche auf dem Kinder- und Reithof in Lähden mithilfe von Pferden.

Christine Krämer fördert mit Alma die sprachliche Entwicklung der Kinder in der Logopädie.
Alma motiviert in der Logopädie
„Die Kinder kommen mit mehr Freude zur Sitzung, wenn Alma dabei ist – obwohl logopädisches Arbeiten oft defizitorientiert ist“, berichtet Christine Krämer, die seit 2011 ausgebildete Fachkraft für tiergestützte Interventionen ist und seit vier Jahren mit Alma arbeitet. Rituale wie die Begrüßung von Alma geben den Kindern Struktur. Besonders in der Sprachtherapie hilft Alma: „Die Kinder sprechen ungezwungener mit ihr, weil sie wissen, dass Tiere sie nicht bewerten.“ Almas Anwesenheit motiviert die Kinder, sich deutlicher zu artikulieren, da sie nur dann ihren Befehlen folgen kann. Das fördert sowohl das Selbstbewusstsein als auch die sprachliche Entwicklung. Ein unvergesslicher Moment war der eines Jungen, der stotterte und während des Streichelns über den Hundekörper plötzlich flüssig sprechen konnte. „Der gleichmäßige Rhythmus des Hundes half ihm, im Sprachfluss zu bleiben“, erinnert sich Christine Krämer.

Gaby Beckmann und Carlo helfen Jugendlichen Ängste zu überwinden und Vertrauen zu fassen.
Carlo als Eisbrecher im Internat
„Carlo hilft mir, mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen“, erklärt Gaby Beckmann, die mit jungen Menschen arbeitet, die mit Autismus, Mutismus oder Depressionen leben. Seit 2019 begleitet sie ihr Pädagogikbegleithund Carlo, zunächst in der Wohngruppe, mittlerweile im Internat. „Viele reden anfangs lieber über den Hund, was den Einstieg in schwierige Themen wie Selbstwert, Ängste oder Grenzen setzen erleichtert“, so Gaby Beckmann. Carlo ist auch ein feiner Beobachter: „Er spiegelt durch sein Verhalten die Gefühle der Jugendlichen – bei Stress legt er sich beispielsweise zu ihnen.“ Besonders berührend ist es, wenn ein Mutist spricht oder ein Jugendlicher beim Streicheln von Carlo weint, weil er zum ersten Mal wieder Zuneigung spürt und erfährt, was Nähe und Beziehung bedeuten.

Anita Mell und Bruno bringen Ruhe und Struktur in den Schulalltag.
Bruno als Ruhepol im Schulalltag
„Bruno ist ein fester Teil der Klassengemeinschaft“, erklärt Anita Mell. Seit acht Jahren begleitet Bruno sie als TBH im Schulalltag und bringt Ruhe ins Klassenzimmer. Die Kinder wissen: Wenn es zu laut wird, zieht der Hund sich zurück, was sie motiviert, leise zu sein und Rücksicht zu nehmen. Seine entspannte Art überträgt sich auf die Schüler und fördert ihre Aufmerksamkeit. Jeder Schüler übernimmt regelmäßig das „Amt Bruno“ und sorgt dafür, dass er mit Wasser versorgt ist. So werden die Selbstständigkeit und das Verantwortungsbewusstsein der Kinder gestärkt. Zudem lernen die Schüler, wie wichtig klare Körpersprache und deutliche Aussprache sind: Bruno reagiert nur auf eindeutige Anweisungen, wodurch er gleichzeitig Geduld und Frustrationstoleranz bei den Kindern stärkt.

Michael Menger fördert die ganzheitliche Entwicklung von Kindern und Jugendlichen in der Reittherapie.
Pferde spiegeln Emotionen
„Reittherapie sollte wie ein Überraschungsei sein, geprägt von Spannung, Spaß und Spiel“, beschreibt Michael Menger seine Arbeit. Seit 22 Jahren arbeitet er als Reittherapeut. „Beim Reiten und Voltigieren erleben Kinder das Tier besonders intensiv“, erklärt er. Mensch und Tier treten in einen Dialog über Bewegung, Signale und Körpersprache. Dabei entwickeln Kinder motorische Fähigkeiten, Selbstbewusstsein und soziale Kompetenzen. Ein weiterer zentraler Aspekt ist die Tatsache, dass Pferde Emotionen spiegeln: „Menschen sind oft mit den Gedanken in der Vergangenheit oder Zukunft – das spüren Pferde.“ Deshalb ist die Reittherapie wertvoll: Sie holt die Kinder ins Hier und Jetzt zurück. Das Pferd hilft Kindern, zur Ruhe zu kommen und sich selbst bewusster wahrzunehmen.
Was die Arbeit mit Tieren besonders macht
Tiere wirken in der therapeutischen Arbeit als Brückenbauer, Motivatoren und begegnen Menschen ohne Vorurteile. Alle Bereiche der tiergestützten Intervention zeigen: Die Präsenz eines Tieres stärkt und fördert das Selbstbewusstsein, die Kommunikationsfähigkeit sowie die Achtsamkeit der Klienten. Durch ihre feine Wahrnehmung helfen Tiere, Emotionen sichtbar zu machen, Beziehungen aufzubauen und fördern eine ganzheitliche Entwicklung.

Harley und Mina aus der Katzen-AG im Internat des Berufsbildungswerkes.
Neben den Therapie- und Pädagogikhunden sowie -pferden gibt es im Christophorus-Werk auch weitere Tiere, die den Menschen helfen, Gefühle auszudrücken und zu verarbeiten oder einfach aus sich herauszukommen. Dazu gehören z. B. Harley und Mina aus der Katzen-AG im Internat des Berufsbildungswerkes.