Vier Werkstätten bündeln Kräfte für bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt
Veröffentlicht am: 15.09.2026

Wie können Menschen mit Behinderung noch gezielter für den allgemeinen Arbeitsmarkt qualifiziert werden? Und welche Kompetenzen brauchen sie in einer zunehmend digitalen Arbeitswelt? Mit diesen Fragen beschäftigen sich vier Werkstattträger aus dem Emsland und der Grafschaft Bentheim künftig gemeinsam. Bei einer Auftaktveranstaltung am 15. September im Wirz in Lingen stellten das Christophorus-Werk Lingen, die Lebenshilfe für die Grafschaft, das St. Vitus-Werk Meppen und St. Lukas Papenburg ihre beiden Kooperationsprojekte „KompetenzSprung – Neue Wege in den Arbeitsmarkt“ und „Zukunft digital – Qualifizierung für neue Chancen“ vor.
Beide Projekte werden im Rahmen der Zukunftsregion Ems-Vechte gefördert und verfolgen ein gemeinsames Ziel: Menschen mit Behinderung sollen so qualifiziert werden, dass sich ihre beruflichen Chancen erhöhen und Wege auf den allgemeinen Arbeitsmarkt möglichst frühzeitig eröffnet werden. Die Projekte laufen über drei Jahre.

Gemeinsam für bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt: Die Projektleitungen von „KompetenzSprung“ und „Zukunft digital“ mit Marc-André Burgdorf, Landrat des Landkreises Emsland, und Uwe Fietzek, Landrat der Grafschaft Bentheim, bei der gemeinsamen Auftaktveranstaltung im Wirz in Lingen.
Qualifikationen, die auch für Arbeitgeber sichtbar werden
Im Projekt „KompetenzSprung“ sollen neue arbeitsmarktrelevante und von den zuständigen Kammern akkreditierte Qualifizierungen entwickelt werden. Damit sollen Arbeitgeber künftig besser nachvollziehen können, welche beruflichen Kompetenzen Menschen aus einer Werkstatt mitbringen und in welchen Tätigkeitsfeldern sie eingesetzt werden können.

Laura Hangbers und Andrea Krüsel-Wicker leiten das Projekt KompetenzSprung. Sie betonen: „Wir möchten Qualifizierungswege schaffen, die zu den Fähigkeiten und Interessen der Menschen passen und sich gleichzeitig am Bedarf des regionalen Arbeitsmarktes orientieren.“ Gemeinsam mit Kammern, Wirtschaftsverbänden und weiteren Akteuren soll untersucht werden, in welchen Bereichen der Region entsprechende Arbeitskräfte benötigt werden. Als mögliche Tätigkeitsfelder stehen unter anderem Gastronomie, Baugewerbe, Kindertagesstätten, Seniorenheime, Lager und Verpackungstätigkeiten im Fokus.

Das Ziel beschrieben die Projektleiterinnen bei der Auftaktveranstaltung mit einem anschaulichen Bild: Die Menschen sollen am Ende einen „Rucksack“ gefüllt mit Kompetenzen und Fähigkeiten mit in die Arbeitswelt nehmen können, die auch von den Arbeitgebern gesehen und akzeptiert werden. So sollen nicht nur individuelle berufliche Perspektiven entstehen. Die neu qualifizierten Arbeitskräfte können zugleich einen Beitrag dazu leisten, dem Arbeits- und Fachkräftemangel in der Region entgegenzuwirken.
Digitale Teilhabe stärkt Selbstständigkeit
Das Projekt „Zukunft digital“ nimmt eine weitere Voraussetzung für berufliche und gesellschaftliche Teilhabe in den Blick: digitale Kompetenzen. Die vier Werkstattträger entwickeln gemeinsam barrierefreie Bildungsangebote, die auf die unterschiedlichen Lernbedürfnisse von Menschen mit Behinderung zugeschnitten sind.

„Digitale Kompetenzen bedeuten heute weit mehr, als einen Computer bedienen zu können“, so Sarah Jansen, Projektleitung Zukunft digital. „Sie können Menschen dabei unterstützen, ihren Alltag selbstständiger zu gestalten und neue berufliche Möglichkeiten zu nutzen.“
Dabei ist das Projekt bereits praktisch gestartet: 20 Schulungen hat Sarah Jansen bislang durchgeführt, weitere sind für die kommenden Wochen geplant. Themen waren unter anderem Datenschutz, Hass und Hetze im Netz sowie der digitale Alltag. Dazu gehört beispielsweise, selbstständig Fahrkarten oder Termine online zu buchen. Das kann Mobilität und Eigenständigkeit erhöhen und zugleich Barrieren, zum Beispiel bei der Bewältigung des Arbeitsweges, reduzieren.
Im weiteren Projektverlauf sollen Schulungsmaterialien entwickelt und Mitarbeitende der beteiligten Einrichtungen befähigt werden, entsprechende Bildungsangebote selbst durchzuführen. Dieser Multiplikator*innen-Ansatz trägt dazu bei, dass die entwickelten Angebote auch über den Förderzeitraum hinaus genutzt werden können.

Zusammenarbeit über Werkstattgrenzen hinweg
Die vier Einrichtungen aus dem Emsland und der Grafschaft Bentheim arbeiten bereits seit Jahren vertrauensvoll zusammen. Für die beiden neuen Projekte bündeln sie nun ihr Wissen und ihre Netzwerke, um Qualifizierungsangebote gemeinsam weiterzuentwickeln und stärker mit Akteuren des regionalen Arbeitsmarktes zu verzahnen.
An der Auftaktveranstaltung im Wirz nahmen auch Marc-André Burgdorf, Landrat des Landkreises Emsland, und Uwe Fietzek, Landrat der Grafschaft Bentheim, teil. Beide betonten die Besonderheit der kreisübergreifenden Zusammenarbeit und Förderung durch die Zukunftsregion Ems-Vechte. Die vorgestellten Projekte würden aus großer Überzeugung unterstützt, weil sie gleich auf mehreren Ebenen wirkten: „KompetenzSprung“ stärke die Fähigkeiten von Menschen mit Behinderung und erschließe zugleich Potenziale für den regionalen Arbeitsmarkt. „Zukunft digital“ fördere einen selbstständigen und sicheren Umgang mit digitalen Medien in Alltag und Beruf und sensibilisiere gleichzeitig für Gefahren wie Fake News, Cybermobbing oder Phishing.
Die Projekte werden über die Zukunftsregion Ems-Vechte gefördert und kofinanziert aus Mitteln der Europäischen Union. Mit dem Programm „Zukunftsregionen in Niedersachsen“ unterstützt das Land Niedersachsen die Zusammenarbeit von Landkreisen und kreisfreien Städten, um regionale Herausforderungen gemeinsam zu bewältigen.
Mit den beiden Projekten wollen die Partner langfristig nicht nur die individuellen beruflichen Perspektiven von Menschen mit Behinderung verbessern. Gleichzeitig soll die Zusammenarbeit mit Unternehmen, Kammern, Bildungsträgern und weiteren regionalen Akteuren dazu beitragen, einen inklusiveren Arbeitsmarkt in der Region Ems-Vechte weiterzuentwickeln.
